die schon alles versucht haben Roman Rackwitz
Motivieren Sie nicht
Unter Eltern mit Schulkindern gibt es eine Erkenntnis, die alle kennen und niemand laut sagt: dass das Gegenteil von Druck nicht Entspannung ist, sondern meistens mehr Druck, nur freundlicher verpackt. Wer ermutigt statt fordert, erklärt statt droht, belohnt statt bestraft, betreibt denselben Mechanismus mit anderen Mitteln. Und wundert sich, warum er nicht funktioniert.
Das Kind hat kein Motivationsproblem. Es hat ein Erfahrungsproblem. Wer noch nie gespürt hat, dass die eigene Anstrengung zu einem Ergebnis führt, das sich lohnt, für den ist Motivation keine fehlende Energie, sondern eine fehlende Erinnerung. Diese Erinnerung lässt sich nicht einreden. Aber man kann aufhören, das zu tun, was verhindert, dass sie entsteht.
Dieses Buch beschreibt 26 Wege, wie Eltern Platz machen können für etwas, das schon im Kind steckt.
Taschenbuch · 106 Seiten · quadratisches Format 21,6 × 21,6 cm · 26 illustrierte Ansätze in fünf Teilen · mit einem Fahrplan für die ersten sechs Monate
Bedingungen statt Techniken
Dieses Buch enthält keine Belohnungssysteme, keine Gesprächsleitfäden und keine Tricks, mit denen sich ein Kind an den Schreibtisch bugsieren lässt. Es enthält 26 Bedingungen, unter denen Motivation entstehen kann, und die meisten davon beginnen damit, dass ein Erwachsener etwas unterlässt, was er bisher mit bestem Gewissen getan hat.
Motivation lässt sich nämlich nicht herstellen, so wenig wie Schlaf oder Appetit, und wer es trotzdem versucht, erreicht zuverlässig das Gegenteil. Was sich herstellen lässt, sind die Umstände, unter denen sie von selbst zurückkehrt. Die fünf Teile des Buches bauen diese Umstände der Reihe nach auf: vom Aufhören über die Sicherheit und das Handeln bis zum Selbstbild und zum Umfeld, und ein Fahrplan für die ersten sechs Monate übersetzt sie in eine Reihenfolge, die eine erschöpfte Familie tatsächlich durchhalten kann.
Die 26 Ansätze
Jeder Ansatz verweist auf seine Belege im Quellenverzeichnis.
Erster Teil · Aufhören
- 01Verhängen Sie ein Schulmoratorium
- 02Streichen Sie das Wort Potenzial
- 03Beenden Sie die Zukunftsdrohungen
- 04Geben Sie die Hausaufgaben zurück
- 05Hören Sie auf zu loben, fangen Sie an zu beschreiben
Zweiter Teil · Sicherheit herstellen
- 06Wechseln Sie die Seite
- 07Nutzen Sie die Beifahrerzeit
- 08Erzählen Sie von Ihren eigenen Pleiten
- 09Lassen Sie sich von Ihrem Kind etwas beibringen
- 10Reparieren Sie nicht jede Niederlage sofort
Dritter Teil · Handeln vor Motivation
- 11Warten Sie nicht auf Lust, sie kommt zu Fuß
- 12Machen Sie den Anfang lächerlich klein
- 13Ersetzen Sie Willenskraft durch Gewohnheit
- 14Erst der Körper, dann der Kopf
- 15Arbeiten Sie nebenher, nicht darüber
- 16Geben Sie Wahlmöglichkeiten in der Form, nicht im Ob
Vierter Teil · Können und Selbstbild
- 17Suchen Sie die Kompetenzinsel, nicht die Lücken
- 18Machen Sie Ihr Kind zum Lehrer
- 19Übertragen Sie echte Verantwortung, keine Beschäftigungstherapie
- 20Lassen Sie das Kind gegen sich selbst antreten, nicht gegen die Klasse
- 21Erzählen Sie Ihrem Kind eine neue Geschichte über sich, in homöopathischen Dosen
- 22Benutzen Sie Belohnungen wie ein Medikament, nicht wie ein Lebensmittel
Fünfter Teil · Das Umfeld umbauen
- 23Verändern Sie die Umgebung statt das Kind
- 24Wechseln Sie Erwachsene ein
- 25Sprechen Sie mit der Schule über ein einziges Fach
- 26Lassen Sie Langeweile wieder zu
Dazu kommen der Einschub „Drei Mythen, denen Sie begegnen werden“, der erklärt, warum Lerntypen, Gehirnhälften und kommerzielles Gehirntraining Ihr Geld nicht verdienen, sowie der Fahrplan für die ersten sechs Monate in vier Phasen.
Aus den Illustrationen
Jeder Ansatz beginnt mit einer Zeichnung, die beides zeigt: oben den Reflex, unten das, was passiert, wenn man ihn loslässt.
Die Belege hinter den 26 Ansätzen
Ein Ratgeber, der auf jeder Seite Fußnoten trägt, wird nicht gelesen, sondern respektvoll ins Regal gestellt. Deshalb sind die Quellen nicht im Buch, sondern hier: vollständig, den einzelnen Ansätzen zugeordnet und um die Verweise ergänzt, die es aus Platzgründen nicht in die Druckfassung geschafft haben.